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Chronik

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"Von der Mitgift "husen" zur Stadt St. Goarshausen"

Während Kelten bereits 500 Jahre v. Chr. die Rheinhöhen besiedelten, wie den Hühnerberg und das Loreleyplateau, entstanden die ersten Behausungen im Rheintal an der Stelle des heutigen St. Goarshausen im Rheintal wohl erst, nachdem sich gegenüber im 6. Jahrhundert der aquitanische Mönch Goar niedergelassen hatte. Die Rechte über die Gemarkung St. Goarshausen mit der noch unbedeutenden Ansiedlung wurden von dem Erzstift Trier als Lehen vergeben, und gelangten wohl schon im 12. Jahrhundert an die Herren von Isenburg.

1324 wurden dem Dorf Husen die Stadtrechte verliehen. Zum Schutz wurde eine Stadtmauer errichtet, deren Türme bis heute die Altstadt am Fuße der Burg Katz flankieren.

Urkundlich tritt St. Goarshausen erstmals, wenn auch ohne Namensgebung, in einer Notiz aus dem Jahr 1222 in Erscheinung. Darin wird das Kirchspatrionat der Isenburger in einer "bona villa"erwähnt, die sich auf dem rechten Rheinufer gegenüber St. Goar befand, und sich unschwer als St. Goarshausen identifizieren läßt. Noch im 13. Jahrhundert taucht dann der Name "Guereshusen" auf, und als im Jahr 1276/77 Ludwig von Isenburg seiner Tochter Irmgard den größten Teil seiner mittelrheinischen Besitzungen als Mitgift verspricht, zählt auch das "Husen aqud sanctum Goarem" dazu. 1284 heiratete sie dann Wilhelm I. von Katzenelnbogen, erhielt von ihrem Großvater Heinrich I. die versprochenen Güter und gleichzeitig von Trier den zugehörigen Lehenstitel.

Von diesem Zeitpunkt an teilte St. Goarshausen für mehr als 500 Jahre das Schicksal der Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Offensichtlich nahm es Graf Wilhelm I. mit der Wahrnehmung der Hoheitsrechte, die eigentlich bis zu ihrem Tod 1309 seiner Frau zustand, nicht so genau. Schon 1302 verpfändete er eine Rente, die von den Untertanen in "seinem" Ort "husen" aufzubringen war.

Weit weniger als 200 dieser Untertanen dürften zu damaliger Zeit das kleine Gemeinwesen bevölkert haben. Fischfang und Weinbau waren ihre Lebensgrundlagen, da auf dem schmalen Rheinuferstreifen kaum Landwirtschaft betrieben werden konnte, und sich gegenüber der starken Konkurrenz der Residenzstadt St. Goar auch kein bedeutender Handwerkstand entwickeln konnte. Hervorzuheben ist nur der einträgliche Salmfang an den "Waag" oder "Woog" genannten Fangplätzen in der Nähe der Loreley. Das älteste, schriftliche Zeugnis hierüber ist ein Pachtvertrag eines St. Goarshäuser Bürgers vom 26. Mai 1387. Die Fische waren von solcher Qualität, daß sie sogar im Ausland Absatz fanden. Um 1800 waren noch 44 Salmfischer tätig, doch die zunehmende Rheinschiffahrt, der Ausbau des Stroms und die Wasserverschmutzung verurteilten auch diesen Berufsstand zum Aussterben. Die letzen Salme wurden vor dem Zweiten Weltkrieg gefangen.

Nahe der Loreley lagen die eigentlichen Boote für den Salmenfang, der jahundertelang ein einträgliches Geschäft für die Fischer war.

"Sant Geweshusen" bildete zusammen mit Patersberg eine "iurisdictio", ein Gericht, das zuerst 1313 erwähnt wird. Es war zuständig für die Rechtsprechnung in bürgerlichen und niederen Strafsachen und tagte zweimal jährlich. An seiner Spitze stand ein Schultheiß, der als herrschaftlicher Beamter auch Polizeibefugnisse und die Aufsicht über die Gemeindeverwaltung hatte. Der erste, namentlich bekannte Schultheiß in St. Goarshausen war ein Herr Tiele. Er beurkundete am 16. Februar 1327 einen Pachtvertrag.

Drei Jahre zuvor, am 20. Januar 1324, war jedoch eine weit bedeutendere Urkunde ausgestellt worden: König Ludwig der Bayer nahm auf Bitte von Graf Wilhelm von Katzenelnbogen das Dorf Husen in seinen Schutz und stattete es mit den Rechten und Freiheiten der Stadt Frankfurt aus. Dies trug nicht etwa einer rasanten wirtschaftlichen Entwicklung St. Goarshausens Rechnung, sondern wertete es gegenüber dem zu Trier gehörenden Wellmich auf und war damit ein weiterer Baustein in Graf Wilhelms weitsichtiger Politik zum Ausbau seiner Machtposition am Mittelrhein. Der Ort wurde in der Folgezeit mit einer Mauer und den zwei Türmen befestigt, die noch immer das heutige "Obertal" begrenzen. Wilhelm II. von Katzenelnbogen erhielt durch Kaiser Karl IV. 1358 die Erlaubnis, dort einen Zoll einzurichten, der wohl als Nebenstelle von St. Goar fungierte. Mit Vollendung der Burg Neukatzenelnbogen im Jahr 1371 schien der Trierer Burg Peterseck über Wellmich nur noch die Rolle der "Maus" zu verbleiben, auch wenn der Trierer Erzbischhof bereits 1378 die Aufhebung der Zollstelle St. Goarshausen erreichte. In der "Stadt" wurde ein ab 1380 nachweisbares Siegel mit der Inschrift "sigillium commune scabinorum in husen" - "gemeinsames Siegel der Schöffen Husen" - mit dem noch heute verwendeten Wappenmotiv geführt. Doch von städtischen Leben war auch weiterhin keine Spur. Häufig wurde St. Goarshausen nur als "beschlossener Fleck" bezeichnet, wie 1587, als es 39 Familien mit etwa 210 Einwohnern zählte.

Seit 1969 zählt auch Wellmich zum Stadtverband St. Goarshausen. Bis 1803 gehörte es zum Kurfürstentum Trier, was auch das früher geführte Wappen zum Ausdruck bringt.

1635, während des Dreißigjährigen Kriegs, starben 178 der rund 250 Einwohner an der Pest. Selbst 1798 zählt man erst 411 Einwohner in 88 Häusern. Trotzdem wurde St. Goarshausen 1816 auch amtlich zur Stadt und zum Amtssitz im neugegründeten Herzogtum Nassau erklärt. Außerhalb der Stadtmauern, nördlich der Fortsbachmündung, entstand ein neuer, vorübergehend "Neubrückhausen" genannter Ortsteil mit Amtshaus, Schul- und Rathaus, katholischer Kirche und dem Institut Hofmann. Dem Eisenbahnbau 1859 bis 1862 mußten im Obertal 16 Wohnhäuser geopfert werden, doch entwickelte sich ein neues Geschäftsviertel rund um den Bahnhof. In der Folgezeit wurde auch die Wellmicher Straße bebaut.

Doch nicht nur das Aussehen St. Goarshausens änderte sich. Die Fischer- und Winzergemeinde wandelte sich zum Fremdenverkehrsort mit der Loreley als Hauptanziehungspunkt und zum Verwaltungszentrum. Der 1885 gebildete Kreis St. Goarshausen siedelte all seine Ämter in St. Goarshausen an, wo sie auch bis zur Bildung des Rhein-Lahn-Kreises im Jahre 1969 verblieben. Der Verlust der Verwaltungseinrichtung konnte durch die gleichzeitige Errichtung der Verwaltungseinrichtung Verbandsgemeinde Loreley mit Sitz in St. Goarshausen jedoch nur zum Teil ausgeglichen werden. Zuwachs gab es in anderer Hinsicht. Bereits 1963 begann man mit der Erschließung des Neubaugebiets "Heide", um dem Wohnraummangel abzuhelfen. 1971 fand hier auch die "Loreley- Schule" als Mittelpunktschule ihren neuen Standort. Seit der Verwaltungsreform von 1969 zählen auch die Ortsteile Wellmich und Ehrental zum Stadtverband St. Goarshausen. Da im engen Rheintal keine bedeutende Industrie- und Gewerbeansiedlung betrieben werden kann, gilt der Tourismus auch für das größer gewordene St. Goarshausen weiterhin als wichtigster Wirtschaftszweig.