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Chronik

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"villa Leyrscheyt in pago Heinriche"

Der fränkische König Ludwig II., genannt „der Deutsche", beurkundete am 31. März 845 eine Schenkung an das neugegründete Kloster Kettenbach an der Aar, das somit Eigentum an bisherigem Reichsgut erwarb. Bei dieser Gelegenheit wechselte auch die „villa Leyrscheyt in pago Heinriche" – das Dorf Lierschied im Einrichgau – mit seinen 17 Höfen und 64 Leibeigenen den Besitzer. Außerdem ist aus der Urkunde zu erfahren, daß in Lierschied bereits Wein angebaut wurde. Die Herrschaft ging bereits 879, als Lierschied schon eine eigene Kirche besaß, an den Klosternachfolger – das Stift St. Severus in Gemünde – über und blieb bis zur Neuzeit in dessen Händen. Das Stift setzte zur Verwaltung Vögte ein, unter denen die Herren von Hohenstein und die von Allendorf genannt werden.

Wein


Lierschied gehöhrt zu den ersten Gemeinden des Mittelrheingebiets, in denen Wein angebaut wurde. Das ist der Urkunde von 845 zu entnehmen, die den Ort erstmal namentlich erwähnt.

 

In Jahr 1370 versetzte Ritter Johann von Allendorf seinen Teil des Dorfes „Lyescheit" mit Vogtei, Gericht, Herrschaft, Gülte, Wald und einigen Einkünften für 350 kleine Gulden von Florenz an Wilhelm II. von Katzenelnbogen. Mit weiteren Zuerwerbungen konnten die Katzenelnbogener damit ihre Herrschaft auf Lierschied ausdehnen. Der Landgraf von Hessen, als Erbe der Katzenelnbogener, kaufte 1568 für 1050 Gulden auch den Stifthof der Gemündener, und überließ ihn seinem Kanzler Friedrich von Nordeck, der 1594 auch die Stiftsvogtei erwarb. Die Herren von Nordeck hatten damit auch das Patronat über die Lierschieder Kirche erworben.

Lierschied war bis zur Einführung der Reformation eine eigenständige Pfarrei mit einem Johannes dem Täufer geweihten Gotteshaus, und dem 1490 neu errichteten Pfarrhaus. Nach dem der Pfarrsitz nach Nochern verlegt worden war, mußte der jeweilige Pfarrer jedoch seine Präsentation für Lierschied durch den Patronatsherrn von Nordeck noch einmal bestätigen lassen. Dafür lieferten die Nordecks jährlich sieben Gulden, oder ein Ohm Wein in Natur zur Pfarrbesoldung, wovon nicht jeder Pfarrer begeistert war, denn manchmal fiel der Wein „etwas schlacht" aus. Im Jahr 1594 wurde den Auelern, die zum Kirchspiel Ruppertshofen gehörten, erlaubt, den Gottesdienst in Lierschied zu besuchen, da ihnen der sonntägliche Weg nach Ruppertshofen zu weit erschien. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war Lierschieds Einwohnerzahl auf 90 gesunken, und man schlug 1676 Auel auch förmlich der Kirchengemeinde Lierschied zu.Kirche



Über 700 Jahre alt ist der Turm der Lierschieder Kirche. Das Schiff - ein verputzter Fachwerkbau - wurde 1780 neu errichtet.

 

Im gleichen Jahr richtete man in dem ehemaligen Pfarrhaus eine gemeinsame Schule für Lierschieder und Aueler Kinder ein. Beide Gemeinden mußten dafür einen Gulden „Hauszins" jährlich an den Pfarrer in Nochern zahlen. Als das Gebäude baufällig geworden war, baute man 1723 an gleicher Stelle ein neues Schulhaus. Bis 1895 gab es den Schulverband, dann bezog Auel eine eigene Schule, und auch Lierschied übergab im Jahr 1908 eine Neubau seiner Bestimmung. Er trägt heute den Namen „Zur alten Schule" und beherbergt ein Gasthaus, denn 1967 trat Lierschied dem Schulverband der Mittelpunktschule in St. Goarshausen bei.

Auch das Kirchengebäude hat eine bewegte Geschichte aufzuweisen. Der heutige Kirchturm stammt etwa aus dem 13. Jahrhundert, und ist schon äußerlich als Wehrturm erkennbar. Er besaß früher eine größere Höhle, und seine Obergeschoße waren nur über einen verwinkelten Gang zu betreten, der sich besser verteidigen ließ als eine normale Tür. Den Abschluß bildet ein hoher Spitzhelm, dem die ursprünglich vorhandenen vier Ecktürmchen mittlerweile fehlen. Vom Kirchenschiff wird berichtet, daß es 1778 so baufällig war, daß eine Kommission es für zu gefährlich hielt, noch länger Gottesdienste darin zu halten. Die Kosten für einen massiven Neubau schätzte man auf 3217 Reichstaler, eine Summe, die von den Lierschiedern nicht aufzubringen war. Sie entschlossen sich daher zu einem Fachwerkbau, den sie durch ein 5-prozentiges Darlehen von 1100 Reichstalern finanzieren konnten. Das Geld erhielten sie von dem Gerichts- und Ratsverwandten Linck aus St. Goar. Der Neubau begann 1779 unter der Leitung eines St. Goarer Meisters. Doch war dieser so unzuverlässig, daß man dem einheimischen Lehrer Sauer die Bauleitung übertrug, der 1780 den fertigen Bau übergeben konnte. Das dreiachsige Schiff aus verputztem Fachwerk erhielt auch eine neue Kanzel und neues Gestühl. Der gotische Chorraum im Turm mit seinem steilen Kreuzgratergewölbe blieb hingegen unverändert. Die rund 300 Einwohner hatten nun wieder ein stattliches Gotteshaus.

Die traditionell hier vorherrschende Landwirtschaft verhalf Lierschied zu einem bescheidenen Wohlstand. Im Jahr 1823 wird es als „Dorf mit sechs Mühlen und 346 Einwohnern" beschrieben. Der „Geographiche Führer" von 1872 wird da schon wesentlich ausführlicher: „106 Haushaltungen, 510 Einwohner; Bürgermeisterei, Kram-, Gast- und Schenkläden, zwei einzelne Häuser, drei Mahl-, eine Knochen- und eine Lohmühle, eine Papierfabrik, Weinbau und Viehzucht."

Schule

1908 wurde das neue Schulhaus Lierschieds seiner Bestimmung übergeben. Seit der Auflösung der Volksschule im Jahr 1967 befindet sich hier das Gasthaus "Zur alten Schule".

 

Die Vielfalt an Mühlenbetrieben verdankte seiner ausgedehnten Gemarkungsgrenze, die in den Tälern den Läufen von Hasen- und Feuerbach folgt, und dicht bei St. Goarshausen liegt. So war die Papiermühle ein Betrieb des St. Goarshäuser Adlerwirts Nathan. Auch die Lohmühle, aus der sich die bedeutende Sohllederfabrik Napp entwickelte, hatte St. Goarshausen Eigentümer. Ihr folgte an gleicher Stelle die Firma Schlaadt. Diese Betriebe verhalfen Lierschied zu erheblichen Steuereinnahmen. Die Gemarkung Lierschieds umfaßt 593 Hektar, die zur Hälfte noch heute landwirtschaftlich genutzt werden. Wenn auch die Landwirtschaft fast nur noch nebenberuflich betrieben wird, so hat doch Lierschied seinen dörflichen Charakter bewahrt. Zielstrebige Maßnahmen zur Erneuerung haben zu diesem Ergebnis beigetragen.