Wochenzeitung

Wochenzeitung:

Bundestagswahl 2017
Neugestaltung Loreley Plateau

Interaktiver Internetstadtplan

Unesco-Welterbe

Verbandsgemeinde
Loreley
im Weltkulturerbe
oberes Mittelrheintal

Wetter
Kontakt

Verbandsgemeinde-verwaltung
Loreley

Dolkstraße 3
56346 St. Goarshausen

Telefon: 06771 – 919 - 0
Telefax:  06771 – 919 - 135

E-Mail an die Verwaltung:
rathaus@vg-loreley.de

Aufgabenbereiche und Mitarbeiter/innen

Öffnungszeiten

Verwaltungsstellen

Dolkstr. 3, 56346 St. Goarshausen

und

Friedrichstr. 12, 56338 Braubach

Montags bis Mittwochs von 8.00 bis 16.00 Uhr

Donnerstags von 8.00 bis 18.00 Uhr

und Freitags von 8.00 bis 12.00 Uhr

Das Sozialamt ist Mittwochs geschlossen

Solarkataster


Solarkataster
Rhein-Lahn-Kreis

Gewerbeflächen VG Loreley

Chronik

Seite ausdrucken

"Durch das hoch schädliche
Kriegswesen so gar erschöpft."

Um das 9. Jahrhundert n. Chr. wurde die landschaftlich exponierte Rheinhöhe gegenüber dem alten Oberwesel besiedelt. Hieraus entwickelte sich das heutige Dörscheid. Sein Name blieb durch die Jahrhunderte unverändert, denn schon um 1250 wird es als "Derscheid" urkundlich erwähnt. Das Dorf gehörte zum Besitz der Herrn von Falkenstein, den Ludwig II. von der Pfalz im Jahr 1277 käuflich erwarb. Damit entstand jene, bis 1803 existierende kurpfälzische Exklave auf dem rechten Rheinufer, die als "Unteramt Kaub" auch Sauerthal, Weisel, und "beide Dörscheid" umfaßte. Im Mittelalter bestanden nämlich zwei Ortsteile , die 1359 als "Niedern- und Obernderscheit", 1452 als Obernderst und Niedernderst" genannt werden. Einem Kartographen, der statt eigener Ortskenntnis wohl nur eine veraltete Landkarte zur Vorlage hatte ist das Kuriosum zu verdanken, daß auf seiner Darstellung des Überfalls der Franzosen auf die Festung Rheinfels von 1758 noch einmal beide Dörscheid eingezeichnet sind, denn im Jahr 1640 wurde letztmals von einer vereinigten Gemeinde "Nidder- und Altdörscheid" berichtet.

Das Toben des Dreißigjährigen Kriegs hatte seinen Tribut unter den ohnehin dezimierten Dörscheidern gefordert. Bereits 1597 hatte die Pest 89 Einwohner hinweggerafft. 1612 kehrte die Seuche wieder und forderte weitere 80 Opfer, so daß beide Dörscheid im Jahre 1620 nur noch 56 Bürger beherbergten. Von Hungernot und nochmaligem Wüten der Pest im Jahr 1622 betroffen, konnten die wenigen Überlebenden wohl nur noch ein Dörscheid aus den Ruinen entstehen lassen. Nach dem Kriegsende wandten sie sich an ihren Landsherren, den Pfalzgrafen, mit einer Bittschrift, da die Kirche "durch unterschiedliche Feldläger und Durchzüge, auch andere begebende Sturmwinde gänzlich an Dach und Stühlen ruiniert worden", und sie "auch durch das langwierige, hoch schädliche Kriegswesen so gar erschöpft und verarmt", daß außer "Fuhr und Handfrohn" nichts zur Wiederherstellung betragen könnten.

Krieg


Bis 1640 bestand Dörscheid aus zwei Ortsteilen. Nach dem "hoch schädlichen Kriegswesen" wurde ein gemeinsames Dorf gebaut.


Die Kirche - aus dem frühen 14. Jahrhundert stammend - wurde denn 1668 auch wiederhergestellt, wobei man die noch heute sichtbaren Rundbogenfenster in das Mauerwerk brach,und das wohl zerstörte Kreuzgewölbe des Schiffs durch eine Flachdecke ersetzte. Der spitzbogig gewölbte Chor blieb auch bei späteren Renovierungen erhalten, nur der Turm wurde wegen Baufälligkeit im Jahre 1897 in seinem oberen Teil verändert. So besitzt Dörscheid mit seiner fast 700-jährigen Kirche, die seit 1822 auch über eine Orgel verfügt, eines der ältesten Gotteshäuser des Heimatgebiets. Bis zur Reformation war Dörscheid nach Weisel eingepfarrt, dann meldet das Kirchenbuch: "Im Jahre des Heils 1591 unter Pfalzgraf Johann Casimir, ist dis Gemeind, welche zuvor nur eine Schul hat, zur Pfarr und Schul angeordnet worden, und dominus Johan. Pistorius ist der erst diaconus und Schulmeister zu Derscheit gewesen."

Doch die meisten Pfarrherrn hielt es nicht lange auf der schlechtdotierten Stelle und in einem Pfarrhaus, in dem sie selbst noch ein Schulunterricht halten mußten. Das erforderliche Kapital zur Errichtung eines neuen Pfarrhauses im Jahr 1738 brachte der damalige Pfarrer Abegg zusammen, indem er vor allem in Holland predigend über Land zog, und um milde Gaben für sein Vorhaben bat. So wundert es wenig, daß mancher Pfarrer sich wenigstens des Lehreramts entledigte. Da ohnehin nur von Martini bist Fastnacht unterrichtet wurde, warben sie für die deshalb so genannte "Dingschule" Gehilfen an, oftmals "ausgediente Soldaten, verdorbene Handwerksleute", oder Personen, die wegen körperlichen Gebrechen keine sonstigen Arbeiten verrichten konnten. "Was mag das für ein Unterricht gewesen sein!" schreibt rückblickend Lehrer Reichard im Jahre 1846. Außerdem berichtet er von Analphabetismus und weitverbreitetem Aberglaube unter den Dörscheidern, die noch immer "geheime Künste" fürchteten und bei Krankheiten alte Weiber mit ihrem Sprüchen heranzögen.

Erst Karl Wilhelm Pfarrius, zweiter der in drei Generationen in Dörscheid amtierenden Pfarrer, erreichte die endgültige Trennung von Schul- und Pfarramt, und "unter dem 12. Dezember 1810 hat ein herzoglich-nassauisches hochwürdiges Consistorium in Wiesbaden für gut befunden, die bisherige Winterschule in Derscheidt zu einer beständigen Schule umzuschaffen." Dazu erwarb die Gemeinde für 450 Gulden von dem Kauber Amtsmann ein Haus, in dem Schulsaal und Lehrerwohnung untergebracht wurden. Aus Platzgründen mußten die 40 Schüler ab 1860 in das drei Jahre vorher erbaute Rathaus umziehen, was zu mancherlei Verdruß führte, da der Gemeindesaal auch für nichtschulische Veranstaltungen gebraucht wurde. Als die Schülerzahl in den zwanziger Jahren auf über 60 anwuchs, beschloß man zwar einen Schulbau, der jedoch wegen der Finanzlage verschoben wurde. So erhielt Dörscheid erst 1964 das langersehnte Schulhaus für seine 46 Schüler. Dies war die letzte durch den Kreis errichtete "Zwergschule". Seit dem 1. August 1972 besuchen alle Kinder die Loreleyschule in St. Goarshausen-Heide.

Die Einwohnerzahl Dörscheids wuchs von 268 im Jahr 1808 kontinuierlich auf 409 im Jahre 1895. Diese Zahl hat die Gemeinde nach einem zwischenzeitlichen Rückgang auch heute wieder erreicht. Wie überall, haben die Traditionell vorherrschenden Erwerbszweige Landwirtschaft und Weinbau an Bedeutung verloren. Neben vier Gewerbebetrieben wirtschaften nur noch zwei Vollerwerbslandwirte in Dörscheid.

Schwedenschanze
Die "Schwedenschanze" erinnert an die militärische Vergangenheit der Rheinhöhe im Dreißigjährigen Krieg.

 

Auch der Weinbau auf rund 20 Hektar flurbereinigter Anbaufläche wird überwiegend im Nebenerwerb betrieben. Hier entwickelt der gebietstypische Riesling seine ganz besondere Frucht und Würze, so daß Dörscheider Wein zu den von Kennern geschätzten Spezialitäten gehört. Eine Besonderheit ist auch die "Schwedenschanze", ein Höhenrücken nahe Dörscheid, der Aussicht bietet auf 34 Ortschaften in Hunsrück, Taunus und Rheintal.